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Eröffnungsfeier im Rosegger-Museum: 24. März, 11 Uhr

Das Rosegger-Museum in Krieglach zeigt Peter Rosegger 2018 aus einem anderen Blickwinkel. Die Öffentlichkeit hat so die Möglichkeit neue, bisher weniger beachtete Aspekte des Schriftstellers, Journalisten, Dichters, Waldbauernbuben und Schneiderlehrlings kennenzulernen. Damit vollziehen wir einen längst überfälligen Schritt, weg vom Klischee des romantisch verklärten, im Winter durch tiefen Schnee stapfenden Waldbauernbuben, hin zum kritischen, politischen und teilweise auch sich selbst inszenierenden Steirer.

Der Ansatz hat seinen Ursprung im Heimgarten XXXVIII / 1914, wo er sehr kritisch hinterfragt, „wem der Großglockner gehört“. Er spricht damals schon von einem „Naturgemeingut“, das der Nation gehöre und von ihr verwaltet wird. Er schreibt: „Es ist viel die Rede von Naturschutzparks, die für die Allgemeinheit gestiftet werden sollen“.  (Heute ist das gesamte Gebiet Teil des Nationalparks Hohe Tauern.)

Rosegger äußert sich in diesem Zusammenhang auch über die Technik, für die nichts mehr unmöglich ist. Sie wird in der Hochalpenwelt „Gestein und Eis und Wasser auch nutzbar zu machen wissen, sie kann da oben eine ungeheure Kraftquelle aufmachen.“ (Siehe heute Kraftwerk Kaprun).

Die Neuaufstellung des Rosegger-Museums widmet sich aber nicht nur allgemein gesellschaftlich wichtigen Fragen. Auch die Person Peter Rosegger wird hinterfragt. Warum beispielsweise schreibt er in seiner Monatsschrift „Heimgarten“ lt. Latzke unter mindestens 25 gesicherten Pseudonymen? Die Schau versucht zu erkunden, ob der bekannte Schriftsteller sich gewisse Meinungsäußerungen nicht leisten konnte, oder ob seine Zurückhaltung aus Eitelkeiten heraus resultierte.

So führt die Selbstinszenierung auch dazu, dass der „Hof und Kammerfotograph“ Franz Joseph Böhm das Exklusivrecht für die Vermarktung von Rosegger-Fotografien besaß. In diesem Zusammenhang werden zahlreiche Fotografien aus dem Böhm-Archiv des Universalmuseums Joanneum wissenschaftlich bearbeitet, digitalisiert und erstmals gezeigt. Diese geben wiederum einen Einblick in das Gesellschaftsleben der damaligen Zeit. Auch bislang unbekannte wirtschaftliche und topografische Dokumente sind in der Ausstellung zu sehen. Peter Rosegger war nicht nur Schriftsteller und Dichter. Er war auch gewissermaßen Journalist, der durch die regelmäßige Herausgabe seiner Monatszeitschrift „Heimgarten“ eine große Leserschaft hatte. Seinen Beiträgen liegt die für Peter Rosegger so akribische Arbeit zugrunde, weshalb diese Artikel reale Einblicke in das öffentliche Leben des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts, aber auch in Roseggers Privatleben geben.

So berichtet er 1914 unter anderem von einer „bedauerlichen Statistik“, die „in der Steiermark auf 1000 Einwohner schon 180 Analphabeten und in Kärnten gar 240 zählt.“

Die Ausstellung beleuchtet zudem, warum der Tourismus noch heute gerne den von Peter Rosegger erstmal 1872 verwendeten Begriff „Waldheimat“ verwendet. Diese topografische Bezeichnung wurde sogar 1907 in den österreichischen Heereskarten als regionaler Begriff eingeführt. Aber hat er heute noch Bedeutung, oder ist er ein Relikt aus jener Zeit? Dazu wird es den Versuch geben, mit Tourismus-Experten ins Gespräch zu kommen.

Abgerundet wird die Aufarbeitung mit bewegten Bildern aus der Zeit Peter Roseggers. Dieser schrieb: „häufig wird man eingeladen, sich kinematographisch zur öffentlichen Schaustellung aufnehmen zu lassen. Ich lehne solches stets ab, weil das nur eine Gestalt ohne Gehalt gibt, was nicht künstlerisch ist.“