Graz 2018-02-06T13:39:43+00:00

Peter Rosegger in Graz

Peter Rosegger lebte 53 Jahre in der steirischen Landeshauptstadt. Über seine erste Woche in der Stadt schrieb er „Ich bummelte, mir selbst überlassen, in dem mir neuartigen und anlockenden Leben der Stadt dahin.“

1864 hatte der Schneidergeselle aus dem Mürztal, der für die schwere Bauernarbeit zu zart war, Mundartgedichte an die „Grazer Tagespost“ geschickt. Und wirklich – deren Chefredakteur Adalbert Svoboda antwortete dem jungen Mann, erkannte dessen Naturtalent und teilte ihm mit, dass er ihn fördern und einflussreichen Gönnern vorstellen wollte. Aber zuallererst sollte er einmal die notwendige (Aus-)Bildung erlernen. Doch wohin mit dem jungen Mann?
„In eine Elementarschule wollte man mich nicht stecken, und für alle anderen Schulen hatte ich zu wenig Vorbildung“, schreibt Rosegger über sich selbst. Immerhin war er ja zu diesem Zeitpunkt schon 22 Jahre alt. Da machte Svoboda ihn mit Rudolf Falb bekannt, der Religionslehrer an der Grazer Handelsakademie war, die sich damals noch in der Kaiserfeldgasse 25 befand und erst kurz zuvor gegründet worden war. 1865 veranstaltete die HAK einen Zyklus öffentlicher Vorlesungen, für die Professor Falb freien Eintritt für Peter Rosegger erwirkte. Als „Bettelstudent“ war Rosegger in seinen ersten Grazer Wochen nun jeden Tag bei einer anderen Familie mittags zu Gast. Die Welt des wohlhabenden, gebildeten Bürgertums war dem jungen Mann vom Land anfangs völlig fremd. „Der Fußboden war mit lauter blumigen Tüchern belegt“, berichtete er beispielsweise von den schönen Teppichen im Hause Reininghaus.

Schließlich nahm ihn aber die „Akademie für Handel und Industrie“, wie die Handelsakademie genannt wurde, unentgeltlich als Schüler und deren Direktor Franz Dawidowsky in sein Pensionat auf. Jetzt saß Peter Rosegger in der großen fremden Stadt in der zweiten Vorbereitungsklasse inmitten seiner Mitschüler – „lauter Büblein von zwölf bis fünfzehn Jahren, deren größten ich um Kopfeslänge überragte“. Aber in Deutsch „schrieb ich die besten Aufsätze und machte die haarsträubendsten orthographischen Fehler“.

„Das erste Schuljahr war für mich das erfolgreichste“, schreibt Rosegger. „Es hat mich demütig gemacht. Da war ich herangestürmt in der Meinung, wenn man nur Bücher und Zeit hat, das Lernen selbst sei ein Spaß. Nun wußte ich, daß es kein Spaß war, besonders nicht für mich.“
Aber großzügige Förderer wie der Großindustrielle Peter von Reininghaus unterstützten und förderten das junge Talent, sodass sich Peter bald schon am Fuße des Schloßbergs ein einfaches Quartier leisten konnte. Im heutigen Haus Wickenburggasse 5 vermietete ihm der pensionierte Finanzrat Franz Frühauf nicht nur ein Zimmer, sondern wurde auch sein väterlicher Freund.
Ende November 1865 schon übersiedelte Rosegger aber als Nachhilfelehrer eines achtjährigen Offizierssohnes in die Salzamtsgasse 28 (später Stiftgasse 3), in den 3. Stock: „Meine neue Wohnung war eine schiefwandige Dachkammer ohne Ofen … Die langen Abende stand ich schlotternd am Fenster mit dem Schulbuch, bei dem Licht einer Straßenlaterne, die ich zu den Wohltätern meines ersten Grazerlebens zählen muß.“ Dort hielt er es aber nur 14 Tage lang aus, dann zog Rosegger wieder zurück in sein altes Zimmer in der Wickenburggasse.
Bis 1869 besuchte Peter Rosegger die Handelsakademie, dann lebte er als freier Schriftsteller in Graz und erhielt Stipendien. Erste literarische Erfolge stellten sich langsam ein, als er 1870 das Buch „Zither und Hackbrett“ veröffentlichte.
Die Sommermonate verbrachte er immer wieder in Krieglach, wo er auch seine spätere Frau Anna Pichler kennenlernte, die mit einer Freundin extra aus Graz angereist war, um das Geburtshaus ihres Lieblingsdichters zu sehen. Dieses Fräulein ging dem Poeten nicht mehr aus dem Kopf. Und so kamen sich die beiden näher und heirateten am 13. Mai 1873 in der Mariagrüner Kirche.
Das junge Paar erhielt eine Wohnung im Haus des Schwiegervaters Joseph Pichler, eines Hutfabrikanten, in der Sackstraße 31. „Die Wohnzimmer waren gassenseitig, mein Arbeitszimmer murseitig. Von diesem sah man durch seine drei Fenster auf den breiten Fluß und auf die Berge. Es war ein Poetenheim, wie ich seither keines mehr gefunden.“ Zwei Kinder kamen zur Welt, doch das Familienglück dauerte nur kurze Zeit. Am 16. März 1875 starb Roseggers Frau. Der Dichter war verzweifelt und stürzte sich in die Arbeit.
1877 veröffentlichte er das Erinnerungsbuch „Waldheimat“, mit dem Rosegger dem Land seiner Kindheit nicht nur ein literarisches Denkmal setzte, sondern auch einen neuen Namen gab. Jetzt war er endgültig arriviert, machte zahlreiche Vorlesereisen und konnte sich in Krieglach ein Haus bauen, das sein Sommersitz wurde. Dort freundete er sich mit dem Wiener Bauunternehmer Wenzel Knaur an – und heiratete 1879 dessen Tochter Anna. Damit gelang Rosegger der Aufstieg in die „bessere Gesellschaft“.

Im Oktober 1879 bezog der Dichter mit seiner Familie eine Wohnung in der feinen Elisabethstraße 16 B, ein Jahr später zogen sie in den 3. Stock des Hauses Burggasse 12 (heute 16). Hier lebte Peter Rosegger 34 Jahre lang bis knapp vor seinem Tod – mit einer kurzen Unterbrechung, als er in der Parkstraße 11 wohnte.

Am 13. Dezember 1917 machte er seinen letzten Spaziergang im Grazer Stadtpark. Ein Herz- und Nierenleiden sowie ein Lungenemphysem und zunehmende Arterienverkalkung zwangen ihn zum Verbleib in seiner Wohnung.

Nur zum Sterben ließ er sich todkrank am 29. Mai 1918 mit einem eigens zur Verfügung gestellten Eisenbahnwaggon nach Krieglach führen. „Wie das Leben mir beschieden, es war gut, ich bin’s zufrieden. Könnt’ ich eines noch erwerben, nur daheim, daheim zu sterben.“ Und so schloss Peter Rosegger, der große steirische Heimatdichter, am 26. Juni 1918 in seinem Haus in Krieglach für immer seine Augen.

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